Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom drei bis fünf Kilowattstunden Wärme. Kommt dieser Strom vom eigenen Dach, sinken die Heizkosten spürbar – und Ihre Photovoltaikanlage bekommt einen großen, flexiblen Verbraucher. Wie gut das Zusammenspiel klappt, hängt allerdings weniger von der Größe der Anlage ab als von der Steuerung. Dieser Ratgeber zeigt, wie viel Solarstrom eine Wärmepumpe realistisch nutzen kann, wie Sie beide Systeme richtig auslegen und wie ein Energiemanagement wie SOLIO den Unterschied macht.
Das Wichtigste in Kürze
- Wärmepumpe und PV ergänzen sich, aber nicht perfekt: Den meisten Wärmebedarf haben Sie im Winter, den meisten Solarstrom im Sommer.
- Ohne Steuerung deckt die PV-Anlage typischerweise ein Viertel bis ein Drittel des Wärmepumpenstroms. Mit Speicher und intelligenter Steuerung ist deutlich mehr möglich – vor allem beim Warmwasser und in der Übergangszeit.
- Der Schlüssel ist die Steuerung: Über SG-Ready oder EEBUS startet ein Energiemanagement die Wärmepumpe gezielt dann, wenn Solarstrom übrig ist oder der Strompreis niedrig ist.
- Wärme ist der günstigste Speicher: Pufferspeicher, Warmwasser und die Gebäudemasse nehmen Überschuss auf – günstiger als jede Batterie.
Wie viel Solarstrom kann eine Wärmepumpe nutzen?
Die entscheidende Kennzahl einer Wärmepumpe ist die Jahresarbeitszahl (JAZ). Sie gibt an, wie viel Wärme pro Kilowattstunde Strom über das Jahr entsteht. Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen in gut gedämmten Häusern meist eine JAZ von 3 bis 4,5, Erdwärmepumpen eher 4 bis 5.
Das Problem: Die Wärmepumpe braucht den meisten Strom von November bis Februar – genau dann, wenn Ihre PV-Anlage am wenigsten erzeugt. Im Sommer läuft sie dagegen fast nur für Warmwasser, während das Dach viel mehr Strom liefert, als das Haus braucht. Deshalb gilt:
- Warmwasser lässt sich von Frühjahr bis Herbst nahezu vollständig mit Solarstrom bereiten.
- Heizen in der Übergangszeit (März bis Mai, September bis November) profitiert stark, weil an sonnigen Tagen tagsüber geheizt werden kann.
- Im Hochwinter kommt der Großteil des Stroms aus dem Netz – hier helfen günstige Stunden eines dynamischen Tarifs mehr als die PV-Anlage.
Beispielrechnung für ein Einfamilienhaus
Die folgenden Zahlen sind ein Beispiel mit typischen Annahmen. Ihre Werte hängen von Haus, Wärmepumpe, Dach und Tarif ab.
- Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser: 15.000 kWh pro Jahr
- Luft-Wasser-Wärmepumpe mit JAZ 3,5: rund 4.300 kWh Strom pro Jahr
- Anteil aus der PV-Anlage ohne Steuerung (30 %): rund 1.300 kWh
- Strom aus dem Netz: rund 3.000 kWh × 30 Cent = rund 900 Euro
- Entgangene Einspeisevergütung für den selbst genutzten Solarstrom: 1.300 kWh × rund 8 Cent = rund 100 Euro
Zusammen kostet die Wärme so rund 1.000 Euro im Jahr. Eine Gasheizung bräuchte für dieselbe Wärme rund 16.000 kWh Gas – bei 11 Cent pro kWh etwa 1.750 Euro, plus steigender CO₂-Preis. Jeder Prozentpunkt, den ein Energiemanagement beim Solaranteil zusätzlich herausholt, spart noch einmal: Steigt der Anteil von 30 auf 45 %, sinken die Stromkosten der Wärmepumpe im Beispiel um weitere rund 140 Euro pro Jahr.
Die richtige Auslegung
Wärmepumpe
Die Leistung der Wärmepumpe richtet sich nach der Heizlast des Hauses – nicht nach der PV-Anlage. Eine raumweise Heizlastberechnung und ein hydraulischer Abgleich sind die Grundlage für eine gute Jahresarbeitszahl. Eine zu groß ausgelegte Wärmepumpe taktet häufig und arbeitet ineffizient.
PV-Anlage
Mit Wärmepumpe lohnt es sich, das Dach möglichst vollständig zu belegen. Für ein Einfamilienhaus sind 10 bis 15 kWp ein guter Richtwert. Ost-West-Dächer oder steile Südfassaden liefern morgens, abends und im Winter vergleichsweise mehr Strom – genau dann, wenn die Wärmepumpe ihn braucht.
Batteriespeicher
Ein Speicher verschiebt Solarstrom vom Mittag in den Abend. Eine Faustregel ist rund 1 kWh Speicherkapazität je kWp Leistung. Für die Wärmepumpe ist der thermische Speicher aber oft wirtschaftlicher: Ein größerer Warmwasser- oder Pufferspeicher kostet pro gespeicherter Kilowattstunde nur einen Bruchteil einer Batterie. Wie Sie die passende Größe finden, lesen Sie in unserem Ratgeber Batteriespeicher-Größe berechnen.
Steuerung: SG-Ready, EEBUS und Energiemanagement
Ohne Steuerung heizt die Wärmepumpe nach ihrer eigenen Heizkurve – unabhängig davon, ob gerade die Sonne scheint. Damit sie Solarstrom gezielt nutzt, braucht sie ein Signal von außen.
SG-Ready
Die meisten Wärmepumpen haben einen SG-Ready-Eingang mit zwei Schaltkontakten. Damit kennt die Wärmepumpe vier Betriebszustände: gesperrt, Normalbetrieb, verstärkter Betrieb (Einschaltempfehlung) und Anlaufbefehl. Bei PV-Überschuss schaltet das Energiemanagement auf „verstärkten Betrieb“ – die Wärmepumpe hebt dann die Temperatur im Warmwasser- oder Pufferspeicher etwas an und speichert so den Überschuss als Wärme. SG-Ready ist herstellerunabhängig und bei Viessmann, Vaillant, Bosch, Daikin, Mitsubishi und vielen weiteren Herstellern vorhanden.
EEBUS
Neuere Wärmepumpen sprechen EEBUS, einen digitalen Kommunikationsstandard. Statt nur Schaltstufen kann das Energiemanagement damit Leistungsgrenzen übermitteln und Werte auslesen. EEBUS ist auch eine der Schnittstellen, über die Netzbetreiber die Leistung nach § 14a EnWG begrenzen.
Was SOLIO für Ihre Wärmepumpe tut
- PV-Überschuss nutzen: SOLIO misst am Netzanschluss, wie viel Solarstrom übrig ist, und gibt die Wärmepumpe über SG-Ready oder EEBUS frei.
- Vorausplanen: Aus Wetterprognose und gelerntem Verbrauch plant SOLIO den Tag – etwa Warmwasser am Mittag statt am frühen Morgen.
- Günstige Stunden nutzen: Mit einem dynamischen Stromtarif verlegt SOLIO den Netzbezug in die günstigsten Stunden.
- Mit allem zusammen: Wärmepumpe, Speicher, Wallbox und Heizstab teilen sich den Überschuss nach Ihren Prioritäten – statt sich gegenseitig auszubremsen.
Welche Wärmeerzeuger SOLIO einbindet, sehen Sie in den Kategorien Thermische Geräte und Wärmemanagement.
Wärmepumpe oder Heizstab für den Überschuss?
Ein Heizstab macht aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme, die Wärmepumpe drei bis fünf. Für Solarüberschuss ist die Wärmepumpe deshalb die erste Wahl. Ein Heizstab ergänzt sinnvoll, wenn im Sommer mehr Überschuss anfällt, als die Wärmepumpe abnehmen kann, oder wenn keine Wärmepumpe vorhanden ist. SOLIO regelt beides stufenlos bzw. stufenweise nach dem verfügbaren Überschuss.
§ 14a EnWG: Darf der Netzbetreiber die Wärmepumpe drosseln?
Wärmepumpen über 4,2 kW, die seit 2024 neu angeschlossen werden, gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtung. Der Netzbetreiber darf ihre Leistung bei drohender Netzüberlastung vorübergehend auf mindestens 4,2 kW begrenzen – abschalten darf er sie nicht. Im Gegenzug zahlen Sie reduzierte Netzentgelte. Welches der drei Module sich für Sie lohnt, erklären wir im Beitrag § 14a EnWG: Modul 1, 2 oder 3. SOLIO setzt solche Vorgaben automatisch um und verteilt die verbleibende Leistung sinnvoll.
Wärmepumpentarif und Messkonzept
Viele Versorger bieten günstigere Wärmepumpentarife mit eigenem Zähler an. Ob sich das mit dem Eigenverbrauch des Solarstroms verträgt, hängt vom Messkonzept ab: Bei einem getrennten Zähler fließt Solarstrom nicht automatisch zur Wärmepumpe. Klären Sie das Messkonzept deshalb vor der Installation mit Ihrem Elektrofachbetrieb und dem Netzbetreiber. Häufig ist ein gemeinsamer Zähler mit dynamischem Tarif und Modul 1 oder 3 nach § 14a die bessere Lösung.
Förderung
Der Heizungstausch wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bei der KfW bezuschusst – je nach Situation mit bis zu 70 % der förderfähigen Kosten, aufgeteilt in Grundförderung und Boni etwa für den Austausch einer alten fossilen Heizung oder für ein niedriges Haushaltseinkommen. Die Konditionen ändern sich regelmäßig. Prüfen Sie die aktuellen Bedingungen deshalb vor der Auftragsvergabe direkt bei der KfW – der Antrag muss in der Regel gestellt sein, bevor mit dem Vorhaben begonnen wird.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Wärmepumpe mit PV-Anlage?
Ja, in den meisten Fällen. Die PV-Anlage senkt die Stromkosten der Wärmepumpe, und die Wärmepumpe erhöht den Eigenverbrauch der PV-Anlage. Am meisten bringt die Kombination, wenn eine Steuerung den Betrieb an Sonne und Strompreis ausrichtet.
Wie viel Prozent des Wärmepumpenstroms kann die PV-Anlage decken?
Ohne Steuerung typischerweise 25 bis 35 %. Mit Energiemanagement, thermischem Speicher und gegebenenfalls Batteriespeicher sind deutlich höhere Anteile möglich – im Sommer beim Warmwasser bis nahezu 100 %, im Hochwinter bleibt der Netzbezug hoch.
Brauche ich zusätzlich einen Batteriespeicher?
Nicht zwingend. Für die Wärmepumpe ist ein ausreichend großer Warmwasser- oder Pufferspeicher oft die günstigere Lösung. Ein Batteriespeicher lohnt sich vor allem für den übrigen Hausverbrauch am Abend. Mehr dazu im Beitrag PV-Anlage ohne Speicher.
Funktioniert das mit meiner Wärmepumpe?
Wenn Ihre Wärmepumpe einen SG-Ready-Eingang oder EEBUS hat, in aller Regel ja. Schicken Sie uns Hersteller und Modell über das Kontaktformular – wir prüfen es kostenlos.
Fazit
Wärmepumpe und Photovoltaik sind ein starkes Team, wenn beide miteinander reden. Die Anlage allein deckt nur einen Teil des Wärmepumpenstroms. Mit einem Energiemanagement, das Überschuss, Wetter und Strompreis zusammen betrachtet, holen Sie deutlich mehr aus jeder Kilowattstunde – ohne Komfortverlust. SOLIO bindet Ihre Wärmepumpe herstellerunabhängig ein, zusammen mit Speicher, Wallbox und Zähler.